Presselounge

ZEIT online-Interview mit Fredi Bobic (31.05.2006)

"Vorne mehr Tore"

Fredi Bobic im Interview über den Stand der deutschen Mannschaft und den Sinn von Testspielen

Welche Erkenntnis ziehen Sie aus dem 2:2 gegen Japen?
Eine negative und eine positive. Ein Gegner darf nicht diese Anzahl von hochkarätigen Chancen bekommen. Das ist ganz klar. Aber die positive Erkenntnis ist, dass Deutschland nach dem 0:2 noch einmal in das Spiel zurückgekommen ist.

Ihrer ersten Einschätzung ist zu entnehmen, dass Sie damit das Verhalten der deutschen Abwehr meinen?
Das fängt gar nicht mit der Abwehr an. Ich meine das schnelle Umschalten der Japaner beim Ballgewinn im Mittelfeld. Dort haben die Gegner schnell kombiniert und die Schwachstellen der deutschen Abwehr gesucht, indem sie die Bälle schnell nach vorne gespielt haben. Diese stand weit aufgerückt und hat versucht, Abseitsfallen auszulegen. Fast wirkte deren Verhalten spekulativ. Jens Lehmann war der beste Deutsche, und das sagt über die Abwehr sehr viel aus - im negativen Sinne.

Aber ist nicht auch zu kritisieren, dass Deutschland in der ersten Halbzeit kaum Chancen hatte?
In den ersten 15 Minuten hat Deutschland versucht, Tempo aufzunehmen und aggressiv zu spielen. In dieser Phase fand ich Deutschland nicht schlecht. Dann aber hatte Japan die ersten Chancen, und das Spiel der Mannschaften hat sich neutralisiert. Dann haben unsere Spieler keine Mittel und Wege gefunden, um Gefährlichkeit auszustrahlen. Schweinsteiger war noch der beste Feldspieler in einer ideenlosen Mannschaft.

Ist das Mittelfeld eventuell zu sehr auf Ballack fixiert?
Richtig. Dadurch, dass die Japaner hinten keine großen Spieler haben, muss man versuchen über die Außenbahnen zu spielen, um dann in der Mitte auf Klose zu flanken. Und das haben wir nicht geschafft. Uns hat ein phantasievoller Spieler gefehlt.

Hätte Odonkor, der in der zweiten Halbzeit eingewechselt wurde, dann nicht früher kommen müssen?
Nein. Das war sein allerserstes Länderspiel. Für alle Neulinge gilt: Ein erstes Länderspiel ist immer ein gutes Länderspiel, egal wie gut es läuft. Er hat sich bemüht und auch ein paar gute Akzente gesetzt. Als Joker hat er ein sehr gutes Debüt gemacht. Trotz allem muss das Spiel besser werden, das weiß auch Jürgen Klinsmann. Man hat immer das Gefühl, man muss vorne ein paar Tore mehr machen, weil hinten immer was anbrennen kann.

Verstehe ich das so, dass Klinsmann ohnehin damit rechnet in der Defensive Schwachstellen zu haben und deswegen noch offensiver spielt?
Klar, deswegen läßt er aggressiv mit hohem Tempo spielen. Aber da haben viele Kleinigkeiten in der Feinabstimmung nicht geklappt. Aber immerhin hieß der Gegner auch heute Japan und die sind bei der WM dabei. Aber wir sollten nicht in Panik verfallen. Auch andere Teams, wie Deutschlands Gruppen-Gegner Polen und Ecuador, suchen noch nach Ihrer Idealform.

Noch einmal zurück zur Anfangsfrage: Positiv ist, dass Deutschland den Rückstand aufholen konnte. Was sagt diese Aufholjagd über ein Team aus?
Sie dürfen nicht aufgeben und das haben Sie auch nicht gemacht. Es spricht für die Moral, ganz klar. Dann ist anzumerken, dass Deutschland versucht hat, seine Chancen aus Standardsituationen zu bekommen, weil aus dem Spiel nichts geklappt hat. Das ist eine Qualität, alles zu versuchen.

10 Tage vor der WM: Wie weit ist die Mannschaft in Bezug auf das Turnier?
Seit zwei Wochen ist die Mannschaft zusammen: Eine Woche auf Sardinien zum Regenerieren und eine Woche Training in der Schweiz. Eigentlich müsste sie schon weiter sein. Ausreden wegen Müdigkeit kann ich nicht akzeptieren, denn auch die anderen Mannschaften stecken in der Vorbereitung.

Und wie weit ist die Mannschaft im taktischen Bereich?
Ganz ehrlich, wenn Spieler jetzt die Taktik nicht hundertprozentig kennen, dann kann man die auch nicht mehr in zehn Tagen erlernen. Jetzt kann es im Training nur noch um die Feinabstimmung gehen. Zudem muss die Fehleranfälligkeit minimiert werden, denn daraus entstehen Torchancen. Und das gilt nicht nur für die Abwehr, sondern gerade für das Mittelfeld. Gegen Japan haben wir dort zu häufig unnötig den Ball verloren.

Was kann den Klinsmann noch gezielt trainieren lassen?
Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen und auch den einzelnen Abwehrspielern. Nimmt man einen gerade wiedergenesenen Metzelder oder einen erfahrenen Nowotny? Das muss er in dem kommenden Spiel gegen Kolumbien weiter austesten. Dafür sind die Spiele ja da. Dann sollte sich Klinsmann das heutige Spiel noch einmal anschauen und versuchen, aus den Fehlern zu lernen.

Wie weit ist die deutsche Mannschaft im Vergleich zu den anderen Teams?
Polen und Ecuador haben in der Vorbereitung ihre Probleme. Kolumbien hat mit der zweiten Garnitur 2:1 gegen Polen gewonnen. Costa Rica hat heute nur 0:1 gegen Tschechien verloren. Für diese Mannschaft ist diese knappe Niederlage ein Achtungserfolg. Trotzdem glaube ich, dass Costa Rica in der deutschen Gruppe Fallobst sein wird. Man muss zwischen Vorbereitung und Wettbewerb unterscheiden. Auch in der Bundesliga können Mannschaften tolle Vorbereitungen spielen und dann, wenn es um etwas geht, vergeigen. Die Testspiele sind kein Gradmesser. Aber ein Team kann nur durch positive Ergebnisse Selbstbewußtsein aufbauen. Wichtig ist für Deutschland auch nicht das heutige Spiel, sondern, dass wir am 9.6. fit sind und Costa Rica weghauen.

Und woran liegt dann der Unterschied zwischen einem Spiel vor und einem Spiel während der WM?
Zum einen nimmt während des Turniers der Druck zu. Dann bringt ein Spieler noch mehr Leistung. Auch das Publikum verhält sich während einer WM anders. In einem Testspiel kann es unzufrieden werden, aber während der WM wird es die ganze Zeit anfeuern. Für uns wird gute Stimmung sehr wichtig sein!

Mit Ballack, Frings, Schneider, Lehmann und Klose sind fünf Spieler gesetzt. Welche anderen werden die Stammelf ergänzen?
Podolski wird mit Sicherheit im Sturm neben Klose spielen. Auch Schweinsteiger ist in einer guten Form. Die weiteren Besetzungen im Mittelfeld hängen von der Rolle von Arne Friedrich auf der rechten Abwehrseite ab. Spielt der nicht, dann könnten Frings oder Schneider auf dem Flügel spielen. Auf der linken Seite wird mit Sicherheit Lahm spielen. In der Abwehr würde ich mit den Erfahrenen spielen: Mit Nowotny und Mertesacker. Metzelder scheint mir noch nicht hundertprozentig fit.

Sie sprechen Arne Friedrich an. Nach dessen Leistungstief gibt es eigentlich keine richtige Alternative für seine Position, oder?
Es gibt auf dieser Seite einfach keine Ideallösung. Schneider und Frings haben Fähigkeiten, mit denen sie auf anderen Positionen spielen müssten. Arne muss sich steigern, denn eigentlich hat er die Qualitäten. Ich glaube, dass er gegen Kolumbien am 2.Juni auflaufen wird.

Kolumbien spielt ähnlich wie die Mannschaft von Ecuador. Kann man zukünftige Gegner simulieren lassen?
Nein, für uns wird es vorallem wichtig sein, dass wir gegen die gewinnen, um mit einer guten Stimmung in Turnier zu gehen.

Noch ein Wort zur deutschen Innenverteidung.
Dort ist noch keine Harmonie zu spüren. Die Abstimmung fehlt, weil keiner Kommandos gibt. Die vermisse ich. Die Versuche mit hohem Risiko zu spielen, sind fahrlässiges Risiko.

Das Interview führte Ulrich Dehne

 

Zeit online (14.04.2006)  

"Schon seltsam"

Interview mit Fredi Bobic über Klinsmanns Entscheidung für Lehmann

ZEIT online: Herr Bobic, Jürgen Klinsmann hat sich für Jens Lehmann entschieden. Entgegen seiner Ankündigung hat er sich nun zu einem früheren Zeitpunkt festgelegt. Warum hat er jetzt schon gehandelt?

Fredi Bobic: Dieser Weg ist schon sehr seltsam. Eigentlich sollte die Entscheidung im Mai gefällt werden. Dann hat Bayern München medialen Druck ausgeübt und nun ist die Entscheidung ad hoc zustande gekommen. Die Stimmung hat sich in den letzten zwei Wochen gedreht. In der Öffentlichkeit wird Oliver Kahn gerade eine Schwächephase eingeredet, obwohl er nur einen Fehler im Köln-Spiel gemacht hat. Einen Fehler muss man einem Torwart auch zugestehen. Wie dann die Bekanntgabe durch die  Bild verlaufen ist, bevor es offiziell bestätigt wurde, das machte auf mich ebenfalls einen sehr merkwürdigen Eindruck.

ZEIT online: Glauben Sie, dass die Entscheidung am Freitag gefallen ist?

Bobic: Das bleibt im spekulativen Raum. Aber genau das ist, was mich verwundert: Erst hat der Trainerstab  entschieden, die Bekanntgabe der Nr.1 zu verzögern, dann hat Klinsmann am Donnerstag angekündigt, die Torwartfrage am Freitag zu diskutieren. Und an diesem Tag fiel dann auch die Entscheidung. Zwar sind alle Beteiligten richtig informiert worden, aber auch dieser Prozess ging sehr zackig. Wenn man diese Entwicklung mal niederschreibt, dann bleiben viele Fragen offen. Äußerlich gesehen ist die Entscheidungsfindung unglücklich verlaufen. Aber vielleicht ist sie intern auch bewusst so gewählt worden. Das wissen nur die verantwortlichen Personen.

ZEIT online: Sie haben sich für Oliver Kahn ausgesprochen. Ist Klinsmanns Entscheidung dennoch für Sie nachvollziehbar?

Bobic: Ich als älterer Spieler bin mit dem Typ Kahn sehr gut zurecht gekommen. Nichts gegen Jens Lehmann: Aber Olli hat in der Nationalmannschaft immer eine Sicherheit dargestellt. Sicherheit in dem Sinne, dass man wusste, der kann alleine Spiele retten. Aber die Vorzüge von Jens Lehmann sind unbestritten. Er ist ein fantastischer Torwart. Die Volkesmeinung wird sich an Kahn und Lehmann immer teilen. Aber für Jens spricht seine sehr gute Saisonleistung und seine Entwicklung, wie er sich nach Außen gibt. Früher wirkte er immer ein bisschen pampig und enttäuscht. Das hat er abgestellt und strahlt mehr Selbstvertrauen aus. Jetzt präsentiert es sich cool und gelassen. Lehmann ist ein toller Torwart für die Nationalmannschaft. Also mag die Entscheidung richtig sein.

ZEIT online: Wer wird Ihrer Meinung nach die Nummer 2 werden?

Bobic: Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Oliver Kahn auf die Bank setzt.

ZEIT online: Dann bleibt ihm also nur der Rücktritt.

Bobic: Ich würde an seiner Stelle ein oder zwei Wochen verstreichen lassen. Eigentlich hat er das Alter um sich ein bisschen Zeit zu geben. Aber der Druck von außen wird vermutlich so stark sein, dass er sich schnell entscheiden muss. So wie ich Oliver kenne, ist er konsequent und wird sich nicht lachend als Ersatztorwart anbieten.

ZEIT online: Und der Einfluss der Entscheidung auf das Stimmungsumfeld der DFB-Elf?

Bobic: Ich glaube nicht, dass jetzt Ruhe einkehrt. Diese Entscheidung wird die Mannschaft und auch die Trainer noch einige Wochen beschäftigen. Sowohl die Medien als auch die Bayern werden dieses Thema noch lange diskutieren. Aber vor der Weltmeisterschaft werden sich alle Parteien zusammenraufen, damit Deutschland so erfolgreich wie möglich auftritt.

Das Interview führte Ulrich Dehne

 

ZEIT online-Interview mit Fredi Bobic (02.03.06)

Lektion auf hohem Niveau

"Die Spieler müssen jetzt zwei Tage abtauchen": Fredi Bobic über die herbe Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien

ZEIT online: Herr Bobic, Sie kennen Jürgen Klinsmann seit vielen Jahren. Was geht nach einem solchen Spiel in ihm vor?

Bobic: Jürgen wird ganz gewiss irritiert sein vom Verlauf dieses Spiels und vom Ergebnis. Er hat immer vermutet, dass es ein ganz schwerer Ritt werden wird in Richtung WM. Nach dem Spiel gegen die Italiener ist das zur Gewissheit geworden. Nach außen jedoch wird er zu seinem Konzept, seinen Spielern und auch zu seinem ungebrochenen Optimismus stehen.

ZEIT online: Viel andere Möglichkeiten bleiben auch nicht, schließlich stand in Florenz seine Wunschformation auf dem Platz.

Bobic: Nein, es gibt zu dieser Mannschaft, aber auch zu dem eingeschlagenen Weg, keine sinnvolle Alternative. Aber selbst wenn es die gäbe: Schon als Spieler hat Jürgen immer, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, genau das auch durchgezogen.

ZEIT online: Woran lag es, dass das Team so unter die Räder kam?

Bobic: Nach einem Start mit zwei Gegentoren nach acht Minuten ist es schwer, so ein Spiel noch zu drehen. In einem Punkt jedoch kann man eine kritische Frage stellen: Wieso wurde, nach dem 0:1, aber auch nach dem 0:2, nicht erst einmal das Spiel geordnet? Man hatte noch über 80 Minuten, um wieder ins Spiel und dann möglicherweise auch zum Anschlusstor oder zum Ausgleich zu kommen. Statt das Spiel zu beruhigen, sind wir den Italienern ins offene Messer gelaufen.

ZEIT online: Haben die erfahrenen Spieler versagt?

Bobic: Das wäre zu einfach als Erklärung. Die Mannschaft als ganzes war schwer indisponiert. Ein solcher Spielbeginn ist aber für jede Mannschaft ein echter Albtraum.

ZEIT online: Viele Spieler wollten sich in der Nationalmannschaft den Frust der Nichtberücksichtigung oder der Formschwäche in ihren Vereinsmannschaften vom Leibe spielen. Wie kehren Metzelder, Deisler, Podolski und Co. nun in die Bundesliga zurück?

Bobic: Jetzt ist die Lage genau umgekehrt. Die Bundesliga und die Champions League muss allen helfen, dieses traumatische Erlebnis von Florenz möglichst schnell abzuhaken. Die dürfen jetzt ein, zwei Tage eigentlich keine Zeitung lesen, müssen abtauchen und dann am Wochenende versuchen, in optimaler Verfassung zu sein. Nicht ganz leicht.

ZEIT online: Ein Wort noch zur deutschen Innenverteidigung

Bobic: Die hat heute eine Lektion auf allerhöchstem Niveau für ihr Fußballerleben erhalten, die die betroffenen Spieler vermutlich lange nicht vergessen werden.

Die Fragen stellte Moritz Müller-Wirth

 

ZEIT online-Interview mit Fredi Bobic (11.12.2005) 

"Schwein gehabt"

Fredi Bobic im Interview über die deutsche Gruppe bei der Weltmeisterschaft und seine eigene Zukunft

Herr Bobic, wo haben Sie am Freitag die Auslosung gesehen?
Ich habe ein Sportgeschäft in Winterbach bei Stuttgart. Dort haben wir ein großes Fest mit über 200 Leuten gefeiert, um die Auslosung zu sehen. Ich habe mit Freunden, ehemaligen Kollegen aus Stuttgarter Zeiten und Kunden den Abend verbracht. Es wurde ein bisschen spät.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Auslosung verfolgt? Kribbelt es noch?
Es ist ein bisschen wie der Grand Prix d'Eurovision de la Chanson: Man interessiert sich hauptsächlich für die Stimmenvergabe. Und die Auslosung ist einfach der Höhepunkt.

Wie sehen Sie die Gruppe A?
Schwein gehabt! Costa Rica ist eine relativ lösbare Aufgabe für das Eröffnungsspiel. Die anderen beiden Gegner wären schwieriger gewesen. Wir dürfen da trotzdem nicht mit dem Glauben reingehen, dass wir die jetzt alle weghauen. Die Spannung muss in der Vorbereitung richtig aufgebaut werden.

Ecuador und Costa Rica haben relativ unbekannte Mannschaften. Wie bereitet ein Teamchef seine Spieler auf solche Gegner vor?
Mit Videoanalysen im Vorfeld. Das wird immer so gemacht. Außerdem sind noch zwei Freundschaftsspiele vor der WM angesetzt, für die Gegner gefunden werden müssen. Die DFB-Elf sollte Mannschaften aus Süd- und Mittelamerika engagieren, die eine ähnliche Spielweise haben. So bekommt Deutschland ein Gefühl für beide Vorrunden-Paarungen. Costa Rica und Ecuador müssen zwar erstmal geschlagen werden. Aber wenn wir die nicht besiegen, brauchen wir gar nicht erst anzutreten.

Was denken Sie, wie die Nationalspieler die Einteilung der deutschen Gruppe einschätzen?
Als aktiver Spieler ist man immer erleichtert, wenn der Gegner endlich feststeht. Man weiß dann genau, worauf man sich einstellen kann. Trotz allem sind die meisten im Moment noch nicht so extrem auf die WM fixiert. Jeder hat noch die Bundesliga und die europäischen Klubwettbewerbe im Kopf. Zur WM hin wird die Spannung schon steigen.

Was sagen Sie zur Gruppe um Argentinien und Holland?
Genau wie langweilige Gruppen gibt es auch Hammergruppen. Dazu gehören die Gruppen von Argentinien, Italien oder die mit Brasilien. Bei dieser Zulosung haben einige am Freitag schon geschluckt.

Wie werden Sie die WM verfolgen?
Auf jeden Fall aktiv. Ich bin noch in Verhandlungen mit Sponsoren und TV-Sendern, aber diese sind noch nicht abgeschlossen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Wie nah sind Sie dem DFB-Team und Herrn Klinsmann?
Man sieht sich ab und zu natürlich auf den Fußballplätzen. Das Verhältnis ist sehr kollegial.

Herr Bobic, sie stehen seit dem Sommer 2005 nicht mehr bei einem Bundesligsten unter Vertrag. Wie sieht heute Ihr Alltag aus?
Ich bin von Montag bis Freitag in Stuttgart und trainiere bei Regionalligist Stuttgarter Kickers. Ich versuche täglich drei Einheiten zu schaffen. Denn neben dem Mannschaftstraining habe ich noch einen Personaltrainer von der Sportschule in Stuttgart, mit dem ich arbeite. Das ziehe ich seit ein paar Monaten durch, so dass ich jetzt mein perfektes Kampfgewicht habe und körperlich topfit bin. Am Wochenende fliege ich dann zu meiner Familie nach Berlin. Die nächsten Tage werde ich es ein bisschen ruhiger angehen und Urlaub machen. Danach hoffe ich, ab Januar wieder angreifen zu können. Die Spekulationen darüber, wo ich im nächsten Jahr arbeiten werde, sind sehr weit gestreut. Nicht nur europäische Vereine kommen in Frage.

In wärmere Regionen?
Zum Beispiel. Man muss sehen, was sich da ergibt, aber ich bin guter Dinge. Ich habe immer noch große Lust, Fußball zu spielen. Ich könnte auch aufhören, wenn ich wollte, aber die Lust ist immer noch da.

Sie gelten als guter Freund Giovane Elbers, mit dem Sie in Stuttgart zusammen gespielt haben. Borussia Mönchengladbach und ihr ehemaliger Team-Kollege haben sich gerade getrennt. Woran ist das Verhältnis gescheitert?
Es gab von der einen Seite Aussagen und dann von der anderen, die dem Verhältnis nicht gut getan haben. Diese Aussagen haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Giovane war lange verletzt und unbeschäftigt. So konnte er die Anforderungen des Vereins natürlich nicht erfüllen. Die Wahrheit werden nur die Betroffen kennen. Aber mir tut es leid, dass es nicht geklappt hat. Ich selber habe bei seinem Wechsel nach Gladbach gedacht, dass der Verein gut zu ihm passt.

Dann gäbe es jetzt doch die Chance für Vereine, mit Ihnen und Elber zwei Drittel des "Magischen Dreiecks" zu verpflichten.
(lacht) Ich glaube nicht, dass viele Vereine den Mut haben werden, einen Sturm zu engagieren, der zusammen 68 Jahre alt ist. Aber ich glaube schon, dass wir zusammen sehr viel Spaß verbreiten würden.

Vom Spaß zu einer ernsten Angelegenheit: Sie unterstützen Organspende-Aktivitäten wie die Initiative "Junge Helden" und sind Mitglied im Verein "Sportler für Organspende". Wieso gerade dieses Thema?
Mich bewegt, dass über Organspende in der Öffentlichkeit kaum geredet wird. In der Jugend ist es ganz typisch, nicht über den Tod nachzudenken. Mit meiner Popularität möchte ich helfen, dass sich Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen.

Das Interview führte Ulrich Dehne

 

Die Zeit (31.07.2003) 

Wasserträger

 Fredi Bobic, 31, Sohn eines Slowenen und einer Kroatin, spielte als 6-jähriger Fußball in seinem Gubrtsort Bad Cannstadt. Seine Profikarriere führte ihn zum VfB Stuttgart. 1996 wurde er Nationalspieler, 1999 wechselte er zu Borussia Dortmund. Nach einer Zwischenstation in England rettete er in der vergangenen Saison Hannover 96 vor dem Abstieg und wurde Stammspieler in der Nationalelf. In der kommenden Saison stürmt er für Hertha BSC Berlin. Bobic träumt davon, als Feuerwehrmann in New York Leben zu retten.

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