Presselounge
MoPo-Interview mit Fredi Bobic (11.04.2007)
"Michael Preetz fehlt in dem neuen Trainer-Team"Von 2003 bis 2005 absolvierte Fredi Bobic 55 Bundesligaspiele für Hertha BSC. Die Morgenpost sprach mit dem ehemaligen deutschen Nationalstürmer. Berliner Morgenpost: Hat Sie die Entlassung von Falko Götz überrascht? Fredi Bobic (35): Nein. Die Risse zwischen Team und Trainer waren zu groß. Es heißt, Götz sei zuletzt weder an die jungen, noch an die alten Spieler heran gekommen. Er hat zunehmend an Glaubwürdigkeit verloren, weil er getroffene Entscheidungen wieder revidiert hat. Aber da trifft nicht nur Falko Götz allein die Schuld, sondern auch die Vereinsführung, die massiven Einfluss auf sportliche Belange hat. Nun soll es Karsten Heine richten? Er ist erfahren und hat einen Zugang zu den jungen Spielern, die er fast alle ausgebildet hat. Der einzige, der mir in dem neuen Trainerteam fehlt, ist Michael Preetz. Warum hat man ihn nicht genommen? Eine gute Frage, die sich die Verantwortlichen gefallen lassen müssen. In der Pressekonferenz ist man ja sehr lapidar darüber hinweg gegangen. Dass man ihn nicht genommen hat, ist wie eine Ohrfeige für diesen höchst verdienstvollen Mann. Vielleicht wollte Michael Preetz aber auch gar nicht. Das glaube ich nicht. Michael ist der Mann für die Zukunft bei Hertha BSC. Hätten sie ihn mit ins Boot genommen, wäre es ein Signal an die Stadt und die Fans gewesen. Der Unmut richtete sich zuletzt auch gegen Dieter Hoeneß. Der Manager muss sich seit Jahren den Vorwurf gefallen lassen, die Verantwortung nicht zu teilen. Das ist ein latentes Problem, das er oft abwiegelt, indem er sagt, dass er ein Teamplayer sei. Keine Frage, Dieter Hoeneß hat viel geleistet für Hertha, aber für den Verein wäre es besser, wenn man mehrere gut qualifizierte Leute in der ersten Reihe hätte. Doch da stellt sich nicht nur mit Blick auf Preetz die Frage, ob man diese in Berlin nicht nach vorn lassen möchte. Ist das vielleicht auch ein Grund, warum der Verein in seiner Entwicklung stagniert? Eine große Last sind natürlich die wirtschaftlichen Probleme, die eine kontinuierliche Entwicklung behindern. Ansonsten stimmen die Voraussetzungen: Man hat ein gutes Stadion, eine perfekte Infrastruktur, ein erstklassiges Nachwuchskonzept und ist in der Hauptstadt ansässig, die Potenzial bietet. Aber Hertha muss es schaffen, die Kräfte, die sich bieten, auch mal zu bündeln. Außerdem gilt es, sich positiv nach außen zu verkaufen. Hertha ist in Deutschland kein großes Thema. Dabei hätte man beispielsweise sein Jugendkonzept und die Tatsache, dass viele Berliner in der Berliner Mannschaft spielen, viel besser vermarkten können. Man dreht sich bei Hertha im Kreis und muss endlich auch Leute ran lassen, die für das Moderne stehen. Wie müsste denn der künftige Hertha-Trainer sein? Hertha braucht einen starken Mann. Einen Trainer, der klar abgesteckte Kompetenzen hat. Die ihm nicht bei der ersten Krise streitig gemacht werden.
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 ZEIT online-Kolumne von Fredi Bobic (29.03.2007) Keine SchandeDeutschland verliert in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark. Diese Niederlage ist kein Beinbruch, denn Testspiele sind zum Testen da, schreibt Fredi Bobic "Dänequark" titelte die BILD -Zeitung. Die Zeitung beschreibt das 0:1 der Nationalmannschaft im Testspiel gegen Dänemark wie eine Blamage. Gleich auf zwei Ebenen habe die deutsche Mannschaft in Duisburg verloren - im Spiel gegen ein kleines Land und den Respekt, da Löw eine Elf ohne große Namen auflaufen ließ. Diese Betrachtungsweise aber ist zu einfach. Zugegeben, die Niederlage war verdient. Diese Einschätzung ist nicht zu widerlegen. Zu begründen ist sie durchaus durch die Wahl der Aufstellung. Der Bundestrainer hat sechs Debütanten ins Rennen geschickt und damit eine junge, unerfahrene Mannschaft präsentiert, die noch nie zusammengespielt hat. In acht Tagen kann selbst ein Toptrainer aus guten Akteuren keine Mannschaft formen. Folgerichtig konnte Deutschland nicht das gewohnte Spiel aufziehen. Die Rädchen der DFB-Maschine griffen nicht ineinander. Aber das ist keine Schande. Als Verantwortlicher muss Löw neue Spieler in der Nationalmannschaft sichten. Und dafür sind Testspiele geeignet. Vielleicht muss er sich lediglich den Vorwurf machen, dass er einen zu starken Gegner für dieses Experiment ausgesucht hat. Dänemark ist und war nie ein leichter Widerpart. Die meisten Spieler der Mannschaft von Morten Olsen spielen bei starken Vereinen in den besten europäischen Ligen. Neben dieser individuellen Stärke besitzt Dänemark ein funktionierendes Spielsystem, das es allen Topmannschaften schwer macht, sie zu besiegen. Das kleine Königreich ist an guten Tagen in der Lage, Italien, Holland und Co. zu besiegen. Die Kritik des dänischen Trainers, der von Respektlosigkeit sprach, wird nicht im Gedächtnis bleiben. Denn auch Olsen wechselte sechsmal und brachte damit sein eingespieltes Team in die Situation, sich neu finden zu müssen. Somit trug auch er seinen Teil dazu bei, dass das Testspiel tatsächlich ein Testspiel war. Der Fakt, verloren zu haben, wird Löw nicht enttäuschen. Das stellte der Bundestrainer auch nach der Partie klar: "Man kann nicht die Nachwuchsförderung propagieren und dann enttäuscht sein, wenn man verliert". Auf der anderen Seite wird er auch nicht zufrieden sein. Er muss sich die Frage stellen, welchen Erkenntnisgewinn er aus diesem Test ziehen kann. Viel Positives wird nicht er finden. Einzig die Klasse des Torwartdebütanten Robert Enke wird er sich auf einem seiner Zettel notiert haben. Dieser bewies, dass er der momentanen Nummer zwei, Timo Hildebrandt, das Wasser reichen kann. Löw wird sich auf einen offenen Bewerbungskampf der beiden Keeper für die Zeit nach Jens Lehmann einlassen. Über dieses Testspiel viele Worte zu verlieren, ist nicht angebracht. Bei den nächsten Qualifikationsaufgaben wird wieder die Stammelf antreten. Durch die Umstände dieser Partie wird auch mit dieser Niederlage kein psychologischer Knacks eintreten. Warum auch? Die eigentlichen Stammkräfte haben nicht verloren, sondern die Nachrücker. Auch der Imageschaden wird Deutschland nicht anhaften. Spätestens im Match gegen San Marino wird die Nationalmannschaft wieder viel Freude bereiten.
 ZEIT online Kolumne von Fredi Bobic (25.03.2007) Freude ja, Euphorie neinDer verdiente 2:1-Erfolg gegen Tschechien gibt Anlass zu Freude. Aber zu denken, dass Deutschland perfekt gespielt hätte, wäre falsch, schreibt Fredi Bobic Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien lässt uns jubeln. Zu Recht, denn der Sieg bedeutet, dem Nahziel, der Qualifikation zur EM-Endrunde, einen großen Schritt näher zu kommen. Auch das Zustandekommen berechtigt zur Freude, denn wie das Löw-Team auftrat, beeindruckte. Spielfreude paarte sich mit Einsatzwillen und Cleverness. Diese Rezeptur reichte aus, um den härtesten Konkurrenten der Gruppe zu schlagen. Das DFB-Team hat die Berechtigung, weiterhin vom EM-Titel 2008 zu träumen. Dass der Erfolg verdient ist, steht außer Frage. Die DFB-Elf ist bei den Tschechen wie eine Heimmannschaft aufgetreten. Aber von einem perfekten Spiel zu reden, ist überzogen und gefährlich. Superlative sind noch nicht angebracht. Ballack und Co. haben lediglich gezeigt, dass sich die Mannschaft, die schon zuvor offensiv und attraktiven Fußball gespielt hat, weiterentwickelt. Mehr nicht. Tschechien hat ein starkes Team, aber dieses ist nicht vergleichbar mit der Mannschaft, die vor ein paar Jahren bei allen Turnieren als Geheimfavorit galt. Karol Brückner hat nicht mehr die Spieler der "Goldenen Generation", zu denen unter anderem Pavel Nedved gehört, zur Verfügung. Er muss die Aufgabe eines Umbruchs bewältigen und viele unerfahrene Spieler integrieren. Hinsichtlich des 2:1 in Prag am Samstag kann man also behaupten, dass Deutschland einen großen Namen, aber keine große Mannschaft besiegt hat. Zudem benötigt die DFB-Elf mehr Sicherheit. Die Mannschaft muss daran arbeiten, eine komfortable Führung, wie am Samstag beim Zwischenstand von 2:0, nicht mehr aus der Hand zu geben. Der Anschlusstreffer von Baros hat die Partie unnötig noch einmal spannend gemacht. Eine hervorragende Mannschaft würde mit diesem Vorsprung den Sieg sicher nach Hause bringen. Erfreulich ist, dass die Handschrift von Jogi Löw deutlich zu erkennen ist. Sie gibt der Mannschaft das Profil: Kompaktes Stellungsspiel, sichere Passstafetten und variable Tempogestaltung. Löw selber weiß, dass diese Vorgaben ausgeführt werden, aber noch immer viel Raum für Verbesserungen vorhanden ist. Diese Feststellungen sollten die Euphorie bremsen, ohne die Leistung der Nationalmannschaft zu schmälern. Die Partie sollte motivieren, den eingeschlagenen Weg von Jogi Löw konsequent weiterzugehen. Zurzeit ist Deutschland die beste Mannschaft der Gruppe und muss sich keine Sorgen machen, die Qualifikation noch zu verpatzen. Aber sie darf jetzt nicht aufhören, sich weiterzuentwickeln, denn das Erreichen der Endrunde ist nur das Zwischenziel. Um sich den Titel-Traum zu erfüllen, muss die Leistung, wie gegen Tschechien am Samstag gezeigt, zum Normalzustand auf dem Platz werden. Ob sie dazu imstande ist, muss sie in den nächsten Spielen beweisen.
 ZEIT online-Interview mit Fredi Bobic (02.02.2007) "Fußball ist nicht erklärbar"Fredi Bobic erklärt im Interview, warum der HSV und Bayern München sich einen schlechten Zeitpunkt für einen Trainerwechsel ausgesucht haben, und warum neue Coachs dem Verein stets gut tun Herr Bobic, am 19. Spieltag wurden mit Felix Magath und Thomas Doll zwei Trainer entlassen. Auch Jupp Heynckes verlässt seinen Verein. Ist der Zeitpunkt für einen neuen Übungsleiter günstig? Nein, Trainerentlassungen zwei oder drei Spieltage nach Beginn der Rückrunde sind ein sehr unglücklicher Zeitpunkt. Das kommt einer Entlassung zum Anfang einer Saison gleich. Die Mannschaften haben sich in den Trainingslagern in der Winterpause noch einmal an ihren Trainer gebunden. In der Regel wechseln die Vereine im Herbst ihre Coachs, wenn es nicht gut läuft. Dann besteht mehr Zeit, um sich an ein Team zu gewöhnen und eine Wendung zum Guten herbeizuführen. Der FC Bayern München hat die K-O.-Runde der Champions League erreicht und hat den Kontakt zur Spitze noch nicht verloren. Gibt es tatsächlich sportliche Gründe für die Entlassung? Die jetzige Situation entspricht nicht den Ansprüchen und der Verein hat wohl Existenzängste bekommen. In der Regel spielen Bayern unattraktiv, aber erfolgreich. In dieser Saison ist die Spielweise anders: unattraktiv und erfolglos. Das führt soweit, dass andere Vereine schon schadenfreudig reagieren. Mit Hitzfeld wollen die Bayern wohl ihr altes Image herstellen. Hat Magath, eher ein stiller Mensch, zu den lauten Bayern gepasst? Er war kein Fremdkörper in München. Sonst hätte er nicht fünf nationale Titel mit dem Verein holen können. Natürlich ist er sehr gradlinig - vielleicht zu gradlinig für die Bayern. Er weiß was er will und geht keine Kompromisse ein. Aber die Spieler, mit denen ich noch Kontakt habe, haben mir nie von Problemen erzählt. Für jeden Trainer ist es schwierig, in München zu arbeiten. Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß sind sehr sehr kompetente Leute, die in die Arbeit des Coachs hineinreden. Zum Teil auch über die Medien. Häufig wird als Begründung für Entlassungen angegeben, dass Trainer die Spieler nicht mehr erreichen würden. Spielt dieses Phänomen bei der Trennung eine Rolle? Nein, das glaube ich nicht. Magath ist zwar eher still, hat seine Mannschaft aber im Griff gehabt. Aber das Team, mit vielen eigenwilligen Charakteren, kommt mir insgesamt schwierig vor. Nur ist das nicht Magaths Schuld, sondern die der Vereinsführung. Diese müssen sich fragen, ob sie bei den Transfers alles richtig gemacht haben. Was die Einkaufspolitik angeht, so können die Münchener in dieser Saison von Werder Bremen lernen. Die falsche Einkaufspolitik wird auch dem HSV vorgeworfen, der sich von Thomas Doll getrennt hat. Wäre es bei dieser Entlassung konsequent, auch den Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer zu feuern? Vielleicht hätte er mit Doll jetzt gehen müssen, das wäre konsequent. Aber vermutlich wird im Sommer ein Resumée gezogen und dann über eine Trennung von Beiersdorfer gesprochen. Allerdings ist er nicht alleinig verantwortlich für die Transfers. Bernd Hoffmann entscheidet ebenfalls mit. Zusammen haben sie die erfolgreiche Achse (Anmerkung: van Buyten, Beinlich, Barbarez) verkauft, die sie mit neuen Spielern so nicht besetzen konnten. Dadurch war die Mannschaft zu Beginn der Saison nicht eingespielt und hat viel verloren. Wie in einer Spirale ging es dann mit dem Verein bergab. Hätte Doll nicht schon eher den HSV verlassen müssen? Ich schätze ihn sehr. Aber schon im späten Herbst war erkennbar, dass alle seine Versuche, etwas zu verändern, nicht funktionierten: Er hat Stammspieler ausgewechselt, hat positiv auf die Mannschaft eingeredet oder auch und mal die Sau raus gelassen. Aber er hat nichts mehr bewirkt. Dann verliert ein Großteil der Mannschaft einfach den Glauben an ihren Häuptling. Keiner möchte ihn menschlich oder sportlich angreifen, aber zu dem Zeitpunkt hätte er gehen müssen. Stattdessen hat der Vorstand gewartet, dass irgendwelche Knoten platzen. Auch das ist nicht passiert. Ist es einem Profi denn bewusst, dass er den Glauben an den Häuptling verloren hat? Das passiert absolut unbewusst. Als Spieler glaubst du dem Trainer, auch in schwierigen Situationen. Dauern diese Phasen zu lang, dann braucht die Mannschaft dringend eine neue Ansprache. Im Grund könnte man ihr einen Showmaster vorsetzen, der nichts von Fußball versteht, sondern nur andere Worte findet. Häufig leidet man als Profi mit dem Trainer. Glaubt man als Spieler, dass man mit einem erfolglosen Trainer noch Erfolg haben wird? Das hängt von der Erfahrung ab. Als älterer Spieler kennst Du die Zwickmühle: Du magst den Trainer, glaubst aber nicht mehr daran, dass man zusammen aus dieser Situation noch heraus kommt. Es ist einfach schwierig für einen Verein, der lange nicht gewonnen hat, wieder aus dem Sumpf heraus zu kommen. Gibt es den Zeitpunkt, an dem ein Spieler merkt, dass der Trainer bald entlassen wird? Ja. Aber es geht darum, den Verein zu retten. Irgendetwas muss passieren. Es muss ein Impuls gesetzt werden. Als Spieler hoffst Du, dass der nächste Coach einen Sack voll Glück mitbringt. Ich kenne das aus meiner Zeit in Dortmund: Bernd Krauss ging und Udo Lattek kam. Und mit ihm der Erfolg. Aber hinter dem Erfolg steckt doch mehr als Glück? Jeder neue Trainer versucht kleine Erfolgserlebnisse zu provozieren. Und das muss dann auf dem Spielfeld zum tragen kommen. Lattek hatte damals die richtige Ausrichtung gefunden. Er hat in dieser Situation das Richtige gemacht. Ein neuer Trainer muss sich erstmal ein Bild davon machen, wo die Probleme einer Mannschaft liegen und diese punktuell bekämpfen. Dazu zählt, dass er viel redet. Der Arbeitsschwerpunkt neuer Trainer liegt in der Psychologie! Die psychologische Faktoren sind das wichtigste an einem Trainerwechsel? Häufig haben Trainerwechsel eine reinigende Wirkung. Die Medien und Fans reagieren wieder ruhiger und dadurch fällt der Druck. Dadurch bekommen Spieler noch einen Push und werden lockerer. Die Bälle, die vorher an den Pfosten gingen, gehen plötzlich rein. Fußball ist manchmal nicht erklärbar. Tragen die einzelnen Spieler auch dazu bei, dass es mit einer Mannschaft dann bergauf geht? Schließlich muss jeder Profi unter einem neuen Trainer beweisen, dass er zu den besten elf gehört. Klar. Jeder hat die Hoffnung, seine eigene Situation zu verbessern: die Amateure wollen gerne zu den Profis aufrücken, die Ersatzspieler wollen in die Stammelf. Jeder hat seine eigene Motivation. Außerdem wissen die Spieler, dass der Verein auf eine Krise reagiert hat, und es nun an ihnen liegt, noch einmal richtig Gas zu geben. Verliert man als Spieler den Glauben an einen Verein, nachdem dieser einen Trainer nach Bekundungen der Nibelungentreue dann doch entlässt? Nein, jeder Spieler kennt das Geschäft. Er weiß genau: das, was heute geredet wird, gilt morgen schon nicht mehr. Wenn man damit nicht klar kommt, hat man den falschen Beruf gewählt. Die Fragen stellte Ulrich Dehne
 ZEIT online-Kolumne von Fredi Bobic (16.11.2006) "Kein Beinbruch"Die Begegnung gegen Zypern war schwach. Aber man sollte sie nicht zu hoch bewerten, fordert Fredi Bobic Häufig reagieren wir himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, gerade wenn es um Fußball und unsere Nationalmannschaft geht. Entsprechend müsste die spielerisch schlechte Partie der deutschen Elf gegen Zypern uns beunruhigen. Aber dazu gibt es eigentlich keinen Grund. Philipp Lahm hat Recht, wenn er sagt, dass auch schlechtere Leistungen als bei der Weltmeisterschaft einfach dazugehören. Gerade in einer Qualifikation ist es normal, dass nach mehreren ansprechenden Auftritten eine Begegnung mit Leerlauf folgt. Das liegt auch am Gegner. Die Zyprier sind schwieriger zu schlagen als San Marino oder Wales. Der Fußball auf der geteilten Mittelmeerinsel hat sich seit dem Beginn des neuen Jahrtausends stark entwickelt. Sie haben Länder wie Wales oder San Marino, unsere anderen Gruppengegner, längst überholt. Neben einer teilweise hohen individuellen Qualität einzelner Spieler zeichnet die Mannschaft sich durch eine beeindruckende Motivation aus. Giftig, so nennt man die Spielweise solcher Mannschaften. Gerade in Nikosia, auf einem als Acker zu bezeichnenden Platz vor nur wenigen tausend Zuschauern, haben fast alle Gegner Probleme. So ist es auch kein Wunder, dass nach der langen Länderspiel-Saison - immerhin war das Unentschieden der 18. Nationenvergleich in diesem Jahr - die deutsche Mannschaft keinen Galafußball bot. Die Schwächen im Spiel zogen sich am Mittwoch durch alle Mannschaftsteile. Hauptursächlich sind die Formschwankungen fast aller Akteure auf dem Platz, die sich in den letzten Begegnungen in den Ligen schon gezeigt hatten. Dieses Phänomen ist nicht verwunderlich und schon gar nicht nur in Deutschland zu beobachten. Auch die WM-Teilnehmer anderer Länder zeigen nach all den Strapazen in diesem Jahr nicht mehr konstant gute Leistungen. Wie jeder Arbeitnehmer nach einer langen, anstrengenden Phase einer Dauerbelastung, so bauen auch Profis ab. Müdigkeit macht sich in den Gliedern, vor allem aber auch im Kopf breit. Fast alle Nationalspieler müssen in einem 3-Tage-Rhythmus ihre Fähigkeiten beweisen. Dieser Dauerdruck mergelt Körper und Psyche aus. Zudem leidet die Motivationsfähigkeit. Auch die Ansprachen der Trainer wirken dann nicht mehr wie zu Beginn einer Spielzeit. So werden sich Ballack, Lahm, Klose & Co. bis in die Winterpause schleppen - um dann richtig zu regenerieren. Im nächsten Jahr haben die Spieler hoffentlich wieder eine neue Frische. Sie werden im März aufnahme- und leistungsfähiger sein, wenn sich das Nationalteam zur ersten Partie gegen die Schweiz trifft. In diesem Freundschaftsspiel kann sich die DFB-Auswahl vor heimischen Publikum, ohne Druck auf die wichtigste Prüfung in 2007 vorbereiten: Die Qualifikationsbegegnung gegen Tschechien. Gegen dessen starke Mannschaft spielt Deutschland um den Gruppensieg. Diese Partie wird daher zur eigentlichen Messlatte werden. Das wirklich nicht schöne Spiel gegen Zypern aber sollte uns nicht weiter beschäftigen. Das war ein kleiner Kratzer, aber kein Beinbruch. Unerwartete Remis gehören zu einer Qualifikation. Die Ziele für das nächste Jahr sehen indes anders aus. Durch die wunderbaren Auftritte während der Weltmeisterschaft und der bisherigen Qualifikation für die EM hat man die Messlatte sehr hoch gelegt. Auch 2007 wird jene begeisternde Spielweise aus den Sommermonaten erwartet. Das selbstformulierte Ziel des DFB, der Gewinn der Europameisterschaft, ist ambitioniert. Vielleicht ist die kleine Euphoriebremse des Zypern-Spiels notwendig, um die Bodenhaftung zu bewahren und solche Ziele konsequent zu erarbeiten.
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