bundesliga.de-Interview mit Fredi Bobic (23.10.2007)
"Die Qualitäten sind unbestritten!"
Fredi Bobic hat den Glauben an seinen VfB noch nicht verloren. Aber "Leidenschaft und harte Arbeit" seien nötig, erklärt er im bundesliga.de-Interview.
Fredi Bobic hatte seine Karriere 1992 bei den Stuttgarter Kickers begonnen. Zwei Jahre später wechselte er zum VfB und erzielte in seiner ersten Saison umgehend 12 Bundesliga-Tore für die Schwaben. Insgesamt traf Bobic in 285 Bundesliga-Spielen 108 Mal für den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, Hannover 96 und Hertha BSC Berlin. Mittlerweile steht Bobic als Experte bei Premiere vor der Kamera.
bundesliga.de: Herr Bobic, wie beurteilen Sie die sportliche Talfahrt ihres ehemaligen Clubs VfB Stuttgart?
Fredi Bobic: Der VfB muss nach unten schauen und erst einmal wieder Punkte sammeln. Es hört sich blöd an, aber es ist nun mal so: Siege müssen her. Siege müssen dem Team nun erst wieder Selbstvertrauen bringen.
bundesliga.de: Mit dem Siegen tut sich der VfB aber sichtbar schwer.
Bobic: Das geht nur über mehr Leidenschaft, hartes Arbeiten, weniger Schönspielen, sondern indem die Siege erzwungen werden. Das ist in letzterZeit abgegangen. Das Paradebeispiel dafür war nun Hamburg, wo man sich regelrecht hat abschlachten lassen.
bundesliga.de: Lyon ist in der Champions League aber nicht gerade ein Aufbaugegner. Im Gegensatz zum VfB hat OL seine Generalprobe beim 3:1 über den AS Monaco positiv gestaltet.
Bobic: In der Champions League steht der VfB noch mehr auf verlorenem Posten. Aber genau dadurch haben sie die Möglichkeit den Bock umzustoßen, weil gegen Lyon niemand mit ihnen rechnet. Es ist ihre letzte Chance, diesen zweiten Platz, der faktisch noch möglich ist, zu holen, oder wenigstens den dritten Platz, um im Uefa-Cup zu überwintern.
bundesliga.de: Trauen Sie dem VfB einen Heimsieg gegen Lyon zu?
Bobic: Die Qualitäten dazu sind da und unbestritten.
bundesliga.de: Aber?
Bobic: Aber alle Dinge, die in der vergangenen Saison gut gelaufen sind, das nötige Glück, Spieler in Top-Verfassung, laufen in dieser Saison eben genau in die andere Richtung. Das ist unheimlich schwer für den Kopf. Denn wenn man so ein erfolgreiches Jahr hinter sich hat, denkt man eventuell, dass alles so weiter läuft. Aber im Moment kommen auch mit den Ausfällen einfach zu viele negative Dinge zusammen, die der VfB nicht auffangen kann. Sie können nie zwei, drei Spiele in Ruhe in der gleichen Besetzung beginnen. Die junge Mannschaft befindet sich in der Entwicklung und die Neuzugänge haben zwar ihre Qualität, konnten diese aber bislang noch nicht beweisen.
Das Gespräch führte Michael Wollny
