ZEIT online-Interview mit Fredi Bobic (11.12.2005) 

"Schwein gehabt"

Fredi Bobic im Interview über die deutsche Gruppe bei der Weltmeisterschaft und seine eigene Zukunft

Herr Bobic, wo haben Sie am Freitag die Auslosung gesehen?
Ich habe ein Sportgeschäft in Winterbach bei Stuttgart. Dort haben wir ein großes Fest mit über 200 Leuten gefeiert, um die Auslosung zu sehen. Ich habe mit Freunden, ehemaligen Kollegen aus Stuttgarter Zeiten und Kunden den Abend verbracht. Es wurde ein bisschen spät.

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Auslosung verfolgt? Kribbelt es noch?
Es ist ein bisschen wie der Grand Prix d'Eurovision de la Chanson: Man interessiert sich hauptsächlich für die Stimmenvergabe. Und die Auslosung ist einfach der Höhepunkt.

Wie sehen Sie die Gruppe A?
Schwein gehabt! Costa Rica ist eine relativ lösbare Aufgabe für das Eröffnungsspiel. Die anderen beiden Gegner wären schwieriger gewesen. Wir dürfen da trotzdem nicht mit dem Glauben reingehen, dass wir die jetzt alle weghauen. Die Spannung muss in der Vorbereitung richtig aufgebaut werden.

Ecuador und Costa Rica haben relativ unbekannte Mannschaften. Wie bereitet ein Teamchef seine Spieler auf solche Gegner vor?
Mit Videoanalysen im Vorfeld. Das wird immer so gemacht. Außerdem sind noch zwei Freundschaftsspiele vor der WM angesetzt, für die Gegner gefunden werden müssen. Die DFB-Elf sollte Mannschaften aus Süd- und Mittelamerika engagieren, die eine ähnliche Spielweise haben. So bekommt Deutschland ein Gefühl für beide Vorrunden-Paarungen. Costa Rica und Ecuador müssen zwar erstmal geschlagen werden. Aber wenn wir die nicht besiegen, brauchen wir gar nicht erst anzutreten.

Was denken Sie, wie die Nationalspieler die Einteilung der deutschen Gruppe einschätzen?
Als aktiver Spieler ist man immer erleichtert, wenn der Gegner endlich feststeht. Man weiß dann genau, worauf man sich einstellen kann. Trotz allem sind die meisten im Moment noch nicht so extrem auf die WM fixiert. Jeder hat noch die Bundesliga und die europäischen Klubwettbewerbe im Kopf. Zur WM hin wird die Spannung schon steigen.

Was sagen Sie zur Gruppe um Argentinien und Holland?
Genau wie langweilige Gruppen gibt es auch Hammergruppen. Dazu gehören die Gruppen von Argentinien, Italien oder die mit Brasilien. Bei dieser Zulosung haben einige am Freitag schon geschluckt.

Wie werden Sie die WM verfolgen?
Auf jeden Fall aktiv. Ich bin noch in Verhandlungen mit Sponsoren und TV-Sendern, aber diese sind noch nicht abgeschlossen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Wie nah sind Sie dem DFB-Team und Herrn Klinsmann?
Man sieht sich ab und zu natürlich auf den Fußballplätzen. Das Verhältnis ist sehr kollegial.

Herr Bobic, sie stehen seit dem Sommer 2005 nicht mehr bei einem Bundesligsten unter Vertrag. Wie sieht heute Ihr Alltag aus?
Ich bin von Montag bis Freitag in Stuttgart und trainiere bei Regionalligist Stuttgarter Kickers. Ich versuche täglich drei Einheiten zu schaffen. Denn neben dem Mannschaftstraining habe ich noch einen Personaltrainer von der Sportschule in Stuttgart, mit dem ich arbeite. Das ziehe ich seit ein paar Monaten durch, so dass ich jetzt mein perfektes Kampfgewicht habe und körperlich topfit bin. Am Wochenende fliege ich dann zu meiner Familie nach Berlin. Die nächsten Tage werde ich es ein bisschen ruhiger angehen und Urlaub machen. Danach hoffe ich, ab Januar wieder angreifen zu können. Die Spekulationen darüber, wo ich im nächsten Jahr arbeiten werde, sind sehr weit gestreut. Nicht nur europäische Vereine kommen in Frage.

In wärmere Regionen?
Zum Beispiel. Man muss sehen, was sich da ergibt, aber ich bin guter Dinge. Ich habe immer noch große Lust, Fußball zu spielen. Ich könnte auch aufhören, wenn ich wollte, aber die Lust ist immer noch da.

Sie gelten als guter Freund Giovane Elbers, mit dem Sie in Stuttgart zusammen gespielt haben. Borussia Mönchengladbach und ihr ehemaliger Team-Kollege haben sich gerade getrennt. Woran ist das Verhältnis gescheitert?
Es gab von der einen Seite Aussagen und dann von der anderen, die dem Verhältnis nicht gut getan haben. Diese Aussagen haben sich gegenseitig hochgeschaukelt. Giovane war lange verletzt und unbeschäftigt. So konnte er die Anforderungen des Vereins natürlich nicht erfüllen. Die Wahrheit werden nur die Betroffen kennen. Aber mir tut es leid, dass es nicht geklappt hat. Ich selber habe bei seinem Wechsel nach Gladbach gedacht, dass der Verein gut zu ihm passt.

Dann gäbe es jetzt doch die Chance für Vereine, mit Ihnen und Elber zwei Drittel des "Magischen Dreiecks" zu verpflichten.
(lacht) Ich glaube nicht, dass viele Vereine den Mut haben werden, einen Sturm zu engagieren, der zusammen 68 Jahre alt ist. Aber ich glaube schon, dass wir zusammen sehr viel Spaß verbreiten würden.

Vom Spaß zu einer ernsten Angelegenheit: Sie unterstützen Organspende-Aktivitäten wie die Initiative "Junge Helden" und sind Mitglied im Verein "Sportler für Organspende". Wieso gerade dieses Thema?
Mich bewegt, dass über Organspende in der Öffentlichkeit kaum geredet wird. In der Jugend ist es ganz typisch, nicht über den Tod nachzudenken. Mit meiner Popularität möchte ich helfen, dass sich Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen.

Das Interview führte Ulrich Dehne

 
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