ZEIT online-Kolumne von Fredi Bobic (29.03.2007)
Keine Schande
Deutschland verliert in einem Freundschaftsspiel gegen Dänemark. Diese Niederlage ist kein Beinbruch, denn Testspiele sind zum Testen da, schreibt Fredi Bobic
"Dänequark" titelte die BILD -Zeitung. Die Zeitung beschreibt das 0:1 der Nationalmannschaft im Testspiel gegen Dänemark wie eine Blamage. Gleich auf zwei Ebenen habe die deutsche Mannschaft in Duisburg verloren - im Spiel gegen ein kleines Land und den Respekt, da Löw eine Elf ohne große Namen auflaufen ließ. Diese Betrachtungsweise aber ist zu einfach.
Zugegeben, die Niederlage war verdient. Diese Einschätzung ist nicht zu widerlegen. Zu begründen ist sie durchaus durch die Wahl der Aufstellung. Der Bundestrainer hat sechs Debütanten ins Rennen geschickt und damit eine junge, unerfahrene Mannschaft präsentiert, die noch nie zusammengespielt hat. In acht Tagen kann selbst ein Toptrainer aus guten Akteuren keine Mannschaft formen. Folgerichtig konnte Deutschland nicht das gewohnte Spiel aufziehen. Die Rädchen der DFB-Maschine griffen nicht ineinander.
Aber das ist keine Schande. Als Verantwortlicher muss Löw neue Spieler in der Nationalmannschaft sichten. Und dafür sind Testspiele geeignet. Vielleicht muss er sich lediglich den Vorwurf machen, dass er einen zu starken Gegner für dieses Experiment ausgesucht hat. Dänemark ist und war nie ein leichter Widerpart. Die meisten Spieler der Mannschaft von Morten Olsen spielen bei starken Vereinen in den besten europäischen Ligen. Neben dieser individuellen Stärke besitzt Dänemark ein funktionierendes Spielsystem, das es allen Topmannschaften schwer macht, sie zu besiegen. Das kleine Königreich ist an guten Tagen in der Lage, Italien, Holland und Co. zu besiegen.
Die Kritik des dänischen Trainers, der von Respektlosigkeit sprach, wird nicht im Gedächtnis bleiben. Denn auch Olsen wechselte sechsmal und brachte damit sein eingespieltes Team in die Situation, sich neu finden zu müssen. Somit trug auch er seinen Teil dazu bei, dass das Testspiel tatsächlich ein Testspiel war. Der Fakt, verloren zu haben, wird Löw nicht enttäuschen. Das stellte der Bundestrainer auch nach der Partie klar: "Man kann nicht die Nachwuchsförderung propagieren und dann enttäuscht sein, wenn man verliert". Auf der anderen Seite wird er auch nicht zufrieden sein. Er muss sich die Frage stellen, welchen Erkenntnisgewinn er aus diesem Test ziehen kann. Viel Positives wird nicht er finden. Einzig die Klasse des Torwartdebütanten Robert Enke wird er sich auf einem seiner Zettel notiert haben. Dieser bewies, dass er der momentanen Nummer zwei, Timo Hildebrandt, das Wasser reichen kann. Löw wird sich auf einen offenen Bewerbungskampf der beiden Keeper für die Zeit nach Jens Lehmann einlassen.
Über dieses Testspiel viele Worte zu verlieren, ist nicht angebracht. Bei den nächsten Qualifikationsaufgaben wird wieder die Stammelf antreten. Durch die Umstände dieser Partie wird auch mit dieser Niederlage kein psychologischer Knacks eintreten. Warum auch? Die eigentlichen Stammkräfte haben nicht verloren, sondern die Nachrücker. Auch der Imageschaden wird Deutschland nicht anhaften. Spätestens im Match gegen San Marino wird die Nationalmannschaft wieder viel Freude bereiten.
