ZEIT online Kolumne von Fredi Bobic (25.03.2007) 

Freude ja, Euphorie nein

Der verdiente 2:1-Erfolg gegen Tschechien gibt Anlass zu Freude. Aber zu denken, dass Deutschland perfekt gespielt hätte, wäre falsch, schreibt Fredi Bobic

Der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft gegen Tschechien lässt uns jubeln. Zu Recht, denn der Sieg bedeutet, dem Nahziel, der Qualifikation zur EM-Endrunde, einen großen Schritt näher zu kommen. Auch das Zustandekommen berechtigt zur Freude, denn wie das Löw-Team auftrat, beeindruckte. Spielfreude paarte sich mit Einsatzwillen und Cleverness. Diese Rezeptur reichte aus, um den härtesten Konkurrenten der Gruppe zu schlagen. Das DFB-Team hat die Berechtigung, weiterhin vom EM-Titel 2008 zu träumen.

Dass der Erfolg verdient ist, steht außer Frage. Die DFB-Elf ist bei den Tschechen wie eine Heimmannschaft aufgetreten. Aber von einem perfekten Spiel zu reden, ist überzogen und gefährlich. Superlative sind noch nicht angebracht. Ballack und Co. haben lediglich gezeigt, dass sich die Mannschaft, die schon zuvor offensiv und attraktiven Fußball gespielt hat, weiterentwickelt. Mehr nicht.

Tschechien hat ein starkes Team, aber dieses ist nicht vergleichbar mit der Mannschaft, die vor ein paar Jahren bei allen Turnieren als Geheimfavorit galt. Karol Brückner hat nicht mehr die Spieler der "Goldenen Generation", zu denen unter anderem Pavel Nedved gehört, zur Verfügung. Er muss die Aufgabe eines Umbruchs bewältigen und viele unerfahrene Spieler integrieren. Hinsichtlich des 2:1 in Prag am Samstag kann man also behaupten, dass Deutschland einen großen Namen, aber keine große Mannschaft besiegt hat.

Zudem benötigt die DFB-Elf mehr Sicherheit. Die Mannschaft muss daran arbeiten, eine komfortable Führung, wie am Samstag beim Zwischenstand von 2:0, nicht mehr aus der Hand zu geben. Der Anschlusstreffer von Baros hat die Partie unnötig noch einmal spannend gemacht. Eine hervorragende Mannschaft würde mit diesem Vorsprung den Sieg sicher nach Hause bringen.

Erfreulich ist, dass die Handschrift von Jogi Löw deutlich zu erkennen ist. Sie gibt der Mannschaft das Profil: Kompaktes Stellungsspiel, sichere Passstafetten und variable Tempogestaltung. Löw selber weiß, dass diese Vorgaben ausgeführt werden, aber noch immer viel Raum für Verbesserungen vorhanden ist.

Diese Feststellungen sollten die Euphorie bremsen, ohne die Leistung der Nationalmannschaft zu schmälern. Die Partie sollte motivieren, den eingeschlagenen Weg von Jogi Löw konsequent weiterzugehen. Zurzeit ist Deutschland die beste Mannschaft der Gruppe und muss sich keine Sorgen machen, die Qualifikation noch zu verpatzen. Aber sie darf jetzt nicht aufhören, sich weiterzuentwickeln, denn das Erreichen der Endrunde ist nur das Zwischenziel. Um sich den Titel-Traum zu erfüllen, muss die Leistung, wie gegen Tschechien am Samstag gezeigt, zum Normalzustand auf dem Platz werden. Ob sie dazu imstande ist, muss sie in den nächsten Spielen beweisen.

 

 
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