Kicker-Kolumne von Fredi Bobic (23.06.2008)
Frings gehört für Rolfes ins Team
Wunderbare Kombinationen, herrliche Tore, offensiver Fußball: Diese EM macht Spaß, mehr als die letzte EURO 2004. Mit der Türkei und Russland stehen zwei Teams im Halbfinale, mit denen dort niemand gerechnet hatte.
Das sind Mannschaften, die wie Deutschland im Turnier einen Rückschlag verdauen mussten, die sich neu sortiert und gesteigert haben - und die da waren, als es darauf ankam. So ein Turnier gewinnt nicht immer die beste Mannschaft. Das hat Holland zu spüren bekommen.
Russland spielt phantastischen Tempo-Fußball. Die jüngste Mannschaft des Turniers ist noch längst nicht ausgereift, da kommt künftig noch mehr. St. Petersburg hat mit dem Gewinn des UEFA-Cups ein Ausrufezeichen gesetzt. Jetzt zieht die Nationalmannschaft nach, die sich letztmals bei der EM 1988 so stark präsentierte. Im Osten wächst eine neue Fußball-Großmacht heran, die Finanzen und die Infrastruktur stimmen. Arshavin war die ersten beiden Spiele gesperrt, trotzdem ist er für mich der Superstar des Turniers. Und was Zhirkov als linker Verteidiger leistet, ist überragend. Ich habe noch keinen Besseren auf dieser Position gesehen.
Die Russen sind dank ihrer spielerischen Eleganz, ihres Kurzpass-Spiels so weit gekommen, die Türken dank ihrer Kampfkraft. So viele Spiele so spät umzubiegen, ist auch eine Qualität. Die Kroaten haben es verpasst, die Schwächen der türkischen Defensive auszunutzen. Deutschland wird das am Mittwoch nicht passieren. Mit schnellen Tempogegenstößen ist die türkische Abwehr verwundbar, die DFB-Elf muss auf das zweite Tor drängen. Die Personalsorgen der Türken spielen uns in die Karten. Und dass wir jetzt wieder Favoriten sind, ist kein Rucksack.
Das Portugal-Spiel war eine Befreiung, es hat uns - davon bin ich überzeugt - einen riesigen Schub gegeben. Viel verändern muss Jogi Löw nicht. Wenn Frings wieder fit ist, gehört er für Rolfes ins Team. Das System sollte der Bundestrainer beibehalten. Von Ballack in vorgezogener Rolle profitieren vor allem unsere Außen, die Doppel-Sechs bringt Stabilität. Und Schweinsteigers Bringschuld ist noch nicht getilgt. Ein gutes Spiel reicht nicht.
