Kicker-Kolumne von Fredi Bobic (26.10.09)
Hertha: Drei, vier Neue müssen her
Das Engagement hat gestimmt, die Kompaktheit auch: Herthas 0:0 gegen Wolfsburg war ein erster Schritt nach vorn, mehr noch nicht. Die Berliner befinden sich weiterhin in einer extrem schwierigen Situation, aus der du nur mit Siegen herauskommst.
Der lange Negativlauf, der Ausfall wichtiger Spieler, finanziell kaum Spielraum - es wird ein steiniger Weg. Wie die Elf am Sonntag auftrat, das muss der Maßstab sein. Bis zur Winterpause sollten mindestens zehn, zwölf Punkte her, um sich eine realistische Chance zu bewahren. Das wird angesichts des harten Programms schwer. Im Winter muss der Verein ins finanzielle Risiko gehen und drei, vier gestandene Profis holen, um die Liga zu halten.
Und was bitte geht da beim VfB ab? Führung und Trainer haben an die Mannschaft appelliert, die hat sich zusammengerauft und vieles gut umgesetzt - aber eben nicht alles. Als Quittung bezieht man gegen Schalke, Sevilla und Hannover drei Niederlagen, die zu vermeiden waren. Man sollte so schnell wie möglich die Kurve bekommen, sonst ist diese Eigendynamik nur schwer stoppen. Der Druck wird immer größer, die Diskussionen im Umfeld immer hitziger - das weiß auch die Führung. Sie sollte aber weiter an Markus Babbel festhalten. Khediras Vorwurf, dass manche Spieler nach Erfolgen zu viel an sich denken und weniger in die Mannschaft investieren, gibt zu denken. Wenn diese Probleme bleiben, muss man knallhart ausmisten.
Auch bei den Bayern werden die nächsten Wochen spannend. In der Liga kommen sie langsam ins Rollen, das wirkt aber noch nicht sonderlich stabil - zumal sich unser Vorzeigeverein zuletzt auch in der Königsklasse nicht besonders gut aus der Affäre gezogen hat und nun gegen Bordeaux richtig unter Druck steht. Auch Stuttgart und Wolfsburg müssen sich gewaltig strecken. International läuft es auf Vereinsebene extrem bescheiden, da müssen sich die Vereine hinterfragen. Okay, Bremen und der HSV haben vergangene Saison gute Ergebnisse erzielt, aber gerade in der Königsklasse war zuletzt meist schon im Viertelfinale Schluss. Da lügen wir uns ein bisschen in die Tasche - es muss einfach mehr kommen.
