Interview mit Kicker Sportmagazin (26.03.09)
"Das ist ein bisschen wie in Hoffenheim"
Sein Vertrag läuft bis 2014: Fredi Bobic (37) ist neuer Geschäftsführer beim bulgarischen Tabellen-Neunten Chernomorets 919 Burgas. Im kicker verrät der Ex-Nationalspieler, was ihn an der Aufgabe reizt.
kicker: Herr Bobic, Ihre Profi-Karriere ließen Sie im kroatischen Rijeka ausklingen, jetzt werden Sie Geschäftsführer beim bulgarischen Erstligisten Chernomorets 919 Burgas. Wollen Sie mit der Bundesliga nichts mehr zu tun haben oder die Bundesliga mit Ihnen?
Fredi Bobic: Es war mein Ziel, in Deutschland zu arbeiten. Aber wenn ich sehe, wie zögerlich etwa Hannover 96 bei der Besetzung des Sportdirektor-Postens vorgeht, ist das schon bedenklich.
kicker: Was meinen Sie konkret?
Bobic: Die Verantwortlichen wollten sich melden, aber ein Gespräch mit Herrn Kind kam nie zustande. Deshalb habe ich mich von dem Gedanken, dort Sportdirektor zu werden, schon vor vier Wochen verabschiedet. 96 hätte mich gereizt, aber nicht unter diesen Umständen: Nur Erfüllungsgehilfe der Herren Kind und Hecking zu werden, dafür war ich mir zu schade.
kicker: Was reizt Sie an Burgas?
Bobic: Ich habe vor einigen Wochen Krassimir Balakov, der dort seit dem Winter Trainer ist, besucht und war schnell begeistert von den Plänen.
kicker: Wie sehen die aus?
Bobic: Vorbild sind die russischen Klubs. Chernomorets will organisch wachsen. Die sportliche und die infrastrukturelle Entwicklung sollen Hand in Hand gehen. Ein großer Campus wird errichtet, eine Art Akademie. In den nächsten fünf Jahren entsteht ein neues Stadion.
kicker: Kann Chernomorets 919 die Vormachtstellung der Klubs aus Sofia wirklich gefährden?
Bobic: Wir wollen in der kommenden Saison um Platz vier oder fünf mitspielen und danach Levski und ZSKA angreifen. Das Ziel ist, in zwei, drei Jahren in der nationalen Spitze angekommen zu sein.
kicker: Was genau ist Ihre Aufgabe?
Bobic: Es sind zwei Jobs in einem. Ich bin als Geschäftsführer für den Sport und das Marketing zuständig. Ich werde mich um die Verstärkung der Mannschaft genauso kümmern wie um PR-Dinge.
kicker: Präsident Mitko Sabev ist der Geldgeber. Redet er Ihnen und Balakov rein?
Bobic: Nein. Er ist ein sehr gewissenhafter, seriöser Mann, der uns in sportlichen Dingen freie Hand lässt. Ich habe auch einen Sitz im Präsidium. Die Entscheidungswege sind sehr kurz, die Entwicklung ging steil nach oben – vor drei Jahren war der Klub noch in der 3. Liga. Das ist ein bisschen wie in Hoffenheim.
kicker: Wie verständigen Sie sich?
Bobic: Weil ich Serbo-Kroatisch spreche, verstehe ich das Bulgarische zu 80 Prozent. Außerdem sprechen fast alle hier Englisch.
kicker: Werden Sie nach Pascal Borel weitere deutsche Profis holen?
Bobic: Das ist nicht ausgeschlossen, aber wir schauen derzeit eher auf den portugiesischen Markt. Das Gehaltsniveau in Bulgarien ist mit Deutschland nicht vergleichbar. Wir versuchen, in den nächsten Jahren die Personalkosten auf 15 Millionen Euro hochzufahren. Das ist hierzulande eine gewaltige Summe.
kicker: Kommt Ihre Familie mit?
Bobic: Nein, meine Frau und unsere beiden Töchter bleiben in Berlin. Ich werde viel pendeln, aber auch immer mal wieder drei, vier Wochen am Stück in Burgas sein. Den deutschen Medien bleibe ich aber erhalten: Als DSF-Experte und kicker-Kolumnist mache ich weiter.
