NP-Kolumne von Fredi Bobic (15.11.08)
96 in katastrophalem Zustand
Kind muss entscheiden, ob er so weitermachern will. Viel Arbeit in der Winterpause. Bei 96 kommt mit erschreckender Regelmäßigkeit eine Phase im Spiel, wo die Mannschaft weggeknickt, die Leistung total einbricht. Alles was vorher gut war, ist dann schlecht. Dass eine Verunsicherung daran schuld ist, lasse ich nur halb gelten. Nach einer 1:0-Führung wie am Sonnabend gegen Bielefeld muss man nicht verunsichert sein.. Deshalb stellt sich die Frage nach körperlichen Defiziten. Sind alle so fit, dass sie 90 Minuten marschieren können. Offensichtlich nicht.Das war schon beim 1:1 gegen Bochum so, auch beim 3:2 gegen den KSC – und jetzt wieder. Und das sind alles Mannschaften, die in der Tabelle noch unter 96 stehen, also Abstiegskandidaten. Wenn du dich gegen die nicht richtig durchsetzen kannst, lässt das Schlimmes befürchten. Obwohl 96 ja noch Glück hat, dass in dieser Saison fünf Mannschaften zur Winterpause unter 15 Punkte haben. Vielleicht reichen am Ende mickrige 30 Punkte, um drin zu bleiben. Nach dieser Rechnung müsste 96 nur eine 13-er-Rückrunde spielen, Aber ich will ja nichts beschreien.
Der Ist-Zustand der 96-Mannschaft ist, mit Verlaub, katastrophal. Und wenn man jetzt darauf hofft, dass das in der Rückrunde anders wird, weil dann verletzte Spieler zurückkehren, finde ich das blauäugig. Die Mannschaft funktioniert nicht, weil sie keine ist. Deshalb muss bei 96 jetzt eine schonungslose Analyse stattfinden: Warum wurde die Hinrunde völlig verkorkst – und wie kann der Abwärtstrend gestoppt werden? Das ist eine Mordsaufgabe – egal, wer sie bewältigen muss.
Natürlich sind da in erster Linie Trainer und Sportdirektor gefragt. Es gibt ja zwei Möglichkeiten, diese Aufgabe anzugehen: Entweder du machst jetzt in der Winterpause einen Schnitt, das heißt, du tauscht die sportliche Führung aus. Das wäre für alle Beteiligten eine saubere Lösung. Oder du versuchst, den Schalter umzulegen und einen Neustart hinzukriegen. Was gemacht wird, kann nur der Präsident entscheiden, weil Martin Kind ja auch den größten Anteil daran hat, dass 96 schon im siebten Jahr hintereinander in der Bundesliga spielt.
Wenn ich gefragt werde, von welchen Spielern ich am meisten enttäuscht bin, fallen mir Jan Schlaudraff und Mario Eggimann ein. Obwohl Schlaudraff immerhin schon fünf Tore geschossen hat – aber von einem Ex-Bayern-Spieler muss mehr kommen. Und Eggimann findet ja überhaupt nicht statt. Beide wurden vor der Saison als großartige Neuzugänge angekündigt – so gesehen muss man auch die Personalpolitik kritisieren. Auf 96 wartet jede Menge Arbeit.
