LaOla1.at-Interview mit Fredi Bobic (4.12.08) 

Bobic: "Bayern ist von Ribery abhänig"

Fredi Bobic sieht eine Abhängigkeit der Bayern von Superstar Franck RiberyWien - Fredi Bobic war Teamkollege von Jürgen Klinsmann.

Er kennt den Mann, der ganz Bayern umkrempeln wollte. Er kennt aber auch den Mann, der Hoffenheim zu einem der größten Bayern-Konkurrenten gemacht hat. Unter Ralf Rangnick (bei Stuttgart und Hannover) hat Fredi Bobic zwei Mal gespielt, ihn kennen und schätzen gelernt.

Bei LAOLA1 erklärt der 37-Jährige vor dem Spiel des Jahres das Wunder Hoffenheim im Interview mit Ramon Ram, warum Bayern von Ribery abhängig ist und warum es ihn wieder in den Fußball zieht.

 

LAOLA1: Was halten Sie von Jürgen Klinsmann, der die Bayern stark umkrempeln wollte?

Bobic: Das hat er ja ein bisschen revidiert, weil er gesehen hat, dass er mit dieser Mannschaft nicht diesen Spielstil spielen kann. Die Bayern spielen mehr auf Ballkontrolle und mehr auf Dominanz. Er hat seine Philosophie mit ein, zwei Ballkontakten schnell in die Spitze zu spielen etwas an die Bayern-Strategie angepasst. Aber so wie ich Jürgen kenne, wird er sicherlich noch anders spielen lassen – noch aggressiver, noch schneller.

LAOLA1:  Mittlerweile läuft es ganz gut. Warum hat es zu Beginn gar nicht geklappt?

Bobic: Man darf nicht vergessen, dass zu Beginn der Saison durch die Verletzung von Ribery und der kurzen Pause der EURO-Teilnehmer viele Spieler gefehlt haben. Insbesondere Ribery und Toni machen halt immer das gewisse Extra aus. Die Mannschaft hat sich jetzt stabilisiert, das war wichtig.

LAOLA1: Sie würden also sagen, dass die Bayern von Toni und vor allem Ribery abhängig sind?

Bobic: Mit Sicherheit. Gerade Franck Ribery ist ein außergewöhnlicher Spieler, der den Unterschied ausmacht. Das hat er in den letzten Wochen gezeigt. Wenn er nicht da ist, ist das Spiel schleppender. Da ist schon eine Abhängigkeit da.

LAOLA1: Was macht das Erfolgsgeheimnis von Hoffenheim aus?

Fredi Bobic: Das ist ziemlich einfach. Sie haben eine Strategie, sie haben einen sehr guten Trainer, den ich selber zwei Mal gehabt habe. Rangnick setzt auf Offensive und schnellen Ballgewinn. Er lässt immer schnell in die Spitze spielen. Er zieht sein Konzept gnadenlos durch, auch wenn es einmal eine Niederlage gibt. Die Mannschaft ist sehr hungrig und jung. Ralf Rangnick ist ein großer Fan von Arsenal London und Bewunderer von Arsene Wenger. Hoffenheim kann man schon als kleine Kopie davon sehen. Dieses Spiel mag er. Ich mache mir um Hoffenheim keine Sorgen. Sie werden sich sukzesive verstärken – die finanziellen Möglichkeiten haben sie. Das wird in Zukunft ein sehr interessanter Verein, der in der Bundesliga für Furore sorgen wird.

LAOLA1: In der Vergangenheit haben sie es sogar schon mit den großen Bayern aufgenommen. Salihovic hat das Angebot des Rekordmeisters aber abgelehnt. Zeigt das das Standing, das sich Hoffenheim innerhalb kürzester Zeit erarbeitet hat?

Bobic: Mit Sicherheit. Dass die Spieler irgendwann begehrt sein würden, war klar. Die Bayern haben in der Vergangenheit schon gezeigt, dass sie gerne eine Rosine aus den Mannschaften herauspicken, die ihnen gefährlich werden. Die Bayern haben Hoffenheim schon wahrgenommen. Mit Salihovic haben sie den ersten Versuch gestartet, der aber gescheitert ist. Auch die Gegner haben Respekt bekommen vor dem, was in Hoffenheim passiert.

LAOLA1: Besteht die Gefahr, dass Hoffenheim auseinanderbricht? Schließlich werden große Vereine auf die Spieler aufmerksam...

Bobic: Ein Obasi, Ba oder Ibisevic werden natürlich begehrt sein. Hoffenheim hat aber eine klare Strategie und eine sehr gute Scoutingabteilung. Nicht umsonst haben sie diese Spieler gefunden. Ich denke schon, dass sie gewappnet sein werden, wenn solche Spieler gehen. Sie sind erst in einer Entwicklungsstufe und sie wissen, dass so was immer vorkommen kann. Sie sind darauf aber vorbereitet. Das weiß ich, weil ich einen guten Kontakt nach Hoffenheim habe.

LAOLA1: Kann Hoffenheim zum ganz großen Coup ausholen?

Bobic: Das stellt sich eerst noch heraus. Auf jeden Fall spielen sie einen Fußball, der extrem attraktiv ist und der immer in Richtung gegnerisches Tor geht. Es wird aber auch Rückschläge geben. So gesattelt sind sie noch nicht, dass sie um den Titel mitspielen. Aber ich bin mir sicher, dass sie um Platz fünf herum spielen. Entweder besser oder einen Tick schlechter. Aber diese Mannschaft wird nicht von heute auf morgen ins Bodenlose fallen.

LAOLA1: Zu ihnen persönlich: Sie sind direkt nach Karriereende zum Fernsehen gegangen. Wie gefällt ihnen diese Rolle?

Bobic: Es macht mir Spaß immer wieder unterwegs zu sein, nah am Fußball dran zu sein und über viele Dinge zu sprechen. So bleibt man auch ein bisschen in Konktakt zu den Jungs. Das ist auf jeden Fall ein interessantes Aufgabenfeld.

LAOLA1: Wo sehen sie sich in Zukunft? Ist eine Rückkehr in den Fußball vorstellbar?

Bobic: Mittelfristig möchte ich schon wieder operativ in einem Verein arbeiten. Das werde ich auch anstreben. Dennoch finde ich die Rolle, die andere Seite vom Fußball kennenzulernen, sehr spannend.

LAOLA1: Reizt Sie eher das Trainergeschäft oder der Managementbereich?

Bobic: Ich möchte im operativen Bereich arbeiten. Eine Tätigkeit im Management, am besten nah am Team dran. So sehe ich meine Zukunft.

LAOLA1: Trainer ist kein Thema? Mit Labbadia, Klopp und Klinsmann sind einige aus ihrer Generation in der Bundesliga tätig...

Bobic: Das kann ich ausschließen. Da müsste ich erst einmal den Trainerschein machen, den ich nicht habe. Mich würde das andere mehr ausfüllen, da ich nicht vor habe, das gleiche zu machen, wie als Spieler.

 
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