
Auch in Wolfsburg mit zwei Spitzen!
96 muss weiter Präsenz zeigen. Keine personellen Diskussionen mehr bis zur Winterpause.Warum hat 96 zwei so unterschiedliche Halbzeiten gespielt – diese Frage stelle ich mir natürlich auch. Die Mannschaft ist ja gut ins Spiel reingekommen, Mike Hanke hat zwei schnelle und schöne Tore gemacht. Das freut mich für den Mike, es zeigt seine Qualitäten. Die kann er am besten abrufen, wenn er auch von Anfang an spielt. Doch am Systemwechsel mit zwei echten Spitzen hat dieser wichtige Sieg nicht nur gelegen, sondern vor allem an der Leidenschaft.
Was in der Halbzeit passiert ist, kann ich mir allerdings nicht erklären. Vielleicht wollte man den scheinbar sicheren Vorsprung verwalten. Ich habe selten ein Spiel erlebt, in dem es nach einer 3:0-Führung so einen Bruch geben hat. Man hat Karlsruhe viel zu viele Chancen erlaubt – eine bessere Mannschaft hätte das Spiel noch komplett umgedreht und gewonnen.
Ich bin aber froh, dass 96 gewonnen hat. Jetzt hat man wieder ein bisschen mehr Luft zu den Abstiegsplätzen. Nicht auszudenken, wenn das noch schiefgegangen wäre gegen den KSC. Denn die anderen Mannschaften da unten punkten ja auch.
Am nächsten Sonntag in Wolfsburg hat 96 nichts zu verlieren – eine Niederlage wäre normal, wenn man beide Teams vergleicht. Dieter Hecking sollte trotzdem weiter mutig sein und mit zwei Spitzen spielen. Er hat sich lange Zeit damit schwer getan, deshalb kann ich mir auch vorstellen, dass er wieder zu seiner altenTaktik mit nur einem Stürmer zurückkehrt.
Natürlich ist die Doppelspitze mit Hanke und Mikael Forssell nicht das Allheilmittel. Aber es geht hier ja auch nicht um die Frage, welches System die Spieler gerne spielen und ob der Bobic oder die Fans recht haben. Es geht darum, im Abstiegskampf Präsenz zu zeigen. Und das tust du mit den beiden Kanten da vorne.
Bis zur Winterpause sollten nun alle personellen Diskussionen verstummen. Nach dem Heimspiel gegen Bielefeld kann man die Situation klar analysieren und sich die Fragen stellen, ob das so weitergeht, wie das weitergehen soll und was gemacht werden muss.
96 muss eine überragende Rückrunde spielen, um die Saison noch zu retten. Aber diese bittere Wahrheit hilft ja jetzt auch nicht weiter. Wichtig ist, dass die Spieler denAbstiegskampf weiter annehmen und so eine Reaktion zeigen wie in der ersten Halbzeit gegen Karlsruhe.
Viele haben sich gefragt, warum Jan Schlaudraff noch nicht einmal eingewechselt worden ist. Ich würde das Thema nicht zu hoch hängen, schließlich gibt der Erfolg dem Trainer recht. Schlaudraff wird noch wichtig für 96 werden. Und Hecking hat recht, wenn er mehr von einem Ex-Bayern-Spieler erwartet. Das erwarte ich auch.
