Neue Presse-Kolumne von Fredi Bobic (17.11.08) 

Zwei-Stürmer-Diskussion: Hecking sollte nicht so stur sein

Ja, ja – die Zwei-Stürmer-Diskussion: Ich habe vollstes Verständnis für die 96-Fans, die sauer auf Dieter Heckings Taktik sind. Okay, er hat in der zweiten Halbzeit tatsächlich 4-4-2 gespielt mit Jan Schlaudraff als zweitem Stürmer. Aber Schlaudraff ist für mich kein richtiger Stürmer. Ich hätte mir gewünscht, dass Mikael Forssell und Mike Hanke als Stoßstürmer von Beginn an spielen. In einem Spiel, das du gewinnen musst, solltest du da vorne Risiko gehen. Unentschieden bringen dich nicht weiter.

Schlimm war, dass 96 mit diesem Unentschieden sogar noch gut bedient ist. Denn Bochum war überlegen. Die Führung von Schlaudraff nach dem Torwart-Fehler von Fernandes war wie ein Sechser im Lotto. Der Patzer von Florian Fromlowitz zum 1:1 geht natürlich gar nicht. Vielleicht wollte er wieder eine Show-Nummer daraus machen. Das muss er sich abgewöhnen. Einfach die Flanke runterpflücken und mit einem schnellen Abwurf den nächsten 96-Angriff einleiten.

Bei 96 werden ja ein bisschen die vielen Verletzten vorgeschoben, um den Negativlauf zu erklären. Aber schauen wir uns mal die Mannschaft gegen Bochum an: Cherundolo – amerikanischer Nationalspieler; Eggimann – Schweizer Nationalspieler; Fahrenhorst – war mal Nationalspieler; Christian Schulz ¬– hat Champions League gespielt und war Nationalspieler; Schlaudraff – hat bei Bayern gespielt, war auch schon Nationalspieler; Forssell – finnischer Nationalspieler; Huszti – ungarischer Nationalspieler; Yankov – bulgarischer Nationalspieler. Da ist doch Qualität drin. Aber was bringt das, wenn man sie nicht umsetzen kann?

Diese Frage muss sich auch Dieter Hecking stellen. Gerade in der Zwei-Stürmer-Diskussion kommt er immer ein bisschen bockig, ein bisschen stur rüber. Nach dem Motto: Ich mache doch nicht das, was in der Öffentlichkeit gefordert wird. Er sollte sich die sachliche Kritik an seiner Taktik mal zu Herzen nehmen.

Am Sonnabend im Frankfurt muss 96 auf Sieg spielen, also mutig sein. Dafür wäre die Präsenz von Forssell und Hanke wichtig, Ich sage ja nicht, dass dadurch alles besser wird. Aber man muss es wenigstens versuchen. 96 muss jetzt endlich erkennen, dass man im Abstiegskampf steckt und die Situation annehmen. Dann mache ich mir keine Sorgen. Wenn man aber glaubt, das wird schon irgendwie, könnte es so enden wie bei Nürnberg in der letzten Saison.

 
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