LAOLA1.at-Interview mit Fredi Bobic (10.11.08)
"Hertha und Janko? Das könnte passen"
Marc Janko zur Hertha? Auch in Deutschland ist ein möglicher Wechsel DAS Thema. Hertha BSC Berlin buhlt um den Torjäger. Das Gerücht läuten gehört hat auch Fredi Bobic. Der 37-fache Nationalspieler hat selbst bei der Hertha gespielt und lebt in Berlin. Heute ist der 37-Jährige als DSF-Moderator und Experte unterwegs. Am Samstag analysiert er bei ATV den Bundesligahit Hoffenheim - Wolfsburg (LIVE ab 15.20 Uhr). Der ehemalige Stürmer, der in 285 Bundesligaspielen 109 Tore geschossen hat, weiß wie die Bundesliga und vor allem die Hertha tickt. Bei LAOLA1 erklärt er, warum Janko zur Hertha passen würde. Gleichzeitig kann er sich den 1,95-Hühnen auch gut in der Premier League vorstellen.
LAOLA1: In den Medien geistert heute das Gerücht „Janko zur Hertha“ herum. Haben Sie auch in Berlin etwas davon gehört?
Fredi Bobic: Das war heute das große Thema in den Berliner Medien, obwohl es in den Tagen zuvor nicht diskutiert wurde. Von der sportlichen Leitung wurde auch schon bestätigt, dass es sich um einen interessanten Spieler handelt. Rudi Wojtowicz (Chefscout der Berliner, Anm.) hat ihn beim Spiel gegen die Austria auch schon beobachtet, wo er ja drei Tore gemacht hat.
LAOLA1: Janko wäre wohl als Ersatz für Pantelic gedacht. Die Anzeichen auf einen Abschied des Serben verdichten sich...
Bobic: Es sieht so aus, dass Pantelic den Verein verlassen wird. Auch Voronin wird schwer zu halten sein, weil er ja nur ausgeliehen ist. Dann wird man spätestens im Sommer einen Stürmer brauchen, vielleicht schon im Winter. Janko dürfte daher im Visier sein. Ich habe aber gehört, dass auch andere Vereine interessiert sind.
LAOLA1: Wie beurteilen Sie den Stürmer Marc Janko?
Bobic: Ich kenne ihn hauptsächlich durch die Nationalmannschaft. 20 Tore in 16 Ligaspielen ist aber auch für österreichische Verhältnisse ein guter Wert. Ich möchte die Liga nicht abwerten, aber es ist schon ein großer Schritt. In den anderen Ligen wird anders Fußball gespielt.
LAOLA1: Trauen Sie ihm den Durchbruch in Deutschland zu?
Bobic: Natürlich muss er sich erst durchsetzen, die Konkurrenzsituation ist in Deutschland, Spanien oder England natürlich ganz anders. Mit 25 Jahren kann er sich aber auf jeden Fall noch entwickeln.
LAOLA1: Würden Sie Janko den Schritt zur Hertha raten? Sie haben ja selbst zwei Jahre bei der Alten Dame gespielt.
Bobic: Die Hertha ist sicher kein schlechtes Pflaster. Berlin ist im leichten Aufschwung. Die Frage ist, was er selber will. Der Schritt zur Hertha wäre für ihn sicherlich reizvoll. Hier kann er sich weiterentwickeln. Sollte er dann wirklich so gut sein, kann er immer noch seinen Weg machen.
LAOLA1: Janko selbst spricht immer wieder von England als sein Traumland. Sie haben auch in der Premier League (bei Bolton Wanderers, Anm.) gespielt.
Bobic: Die Premier League würde seiner robusten Spielweise vielleicht noch besser liegen. Das ist sicherlich auch eine interessante Option, aber ich weiß nicht, was er für Angebote hat. Ich kann nur sagen, dass man die Möglichkeit eigentlich nutzen muss, wenn man nach England wechseln kann. Es ist einfach die beste Liga. Aber Deutschland ist sicher auch eine interessante Liga, vor allem weil es keine Sprachprobleme gibt und die Mentalität ähnlich ist.
LAOLA1: Glauben Sie, dass er zur Hertha passt? Er ist doch ein anderer Spielertyp als Pantelic oder Voronin.
Bobic: Doch. Er ist halt ein Strafraumtyp, der gefüttert werden muss. Die Hertha spielt aus einer kompakten Abwehr heraus. Da brauchen sie auch Spieler, die den Ball halten können. Wenn er nicht passen würde, würde sich die Hertha nicht mit ihm beschäftigen.
LAOLA1: Bei einem Wechsel wäre Janko der siebte Legionär in der ersten Deutschen Bundesliga. Wie beurteilen Sie deren Leistungen nach einem Drittel der Liga?
Bobic: Die Jungs, die in der Deutschen Bundesliga spielen, machen einen sehr guten Eindruck. Sie sind gut ausgebildet. Natürlich müssen sie noch viel lernen, weil die Qualität viel höher ist. Das gilt dann auch für Janko. Das Talent bei österreichischen Fußballern ist auf jeden Fall da, das ist unbestritten.
LAOLA1: Worin liegen die größten Schwierigkeiten des österreichischen Fußballs? Der Umstieg in die anderen Ligen ist meist doch beschwerlich.
Bobic: Es ist halt immer eine Frage, was für eine Liga du vorfindest. Die österreichische Liga hat auf jeden Fall zu wenig Mannschaften. Die Spanne zwischen den Topklubs und den anderen Teams ist riesengroß.
LAOLA1: Es fehlt also hauptsächlich an der Konkurrenz?
Bobic: Ja, weil viele Spiele leicht von der Hand gehen. Du brauchst den Wettbewerb. Es muss bei jedem Spiel eng zugehen. In der Bundesliga kannst du nicht sagen: „Heute spielen wir mal locker gegen Bielefeld“. Du musst immer an die Grenzen gehen.
LAOLA1: Der Hertha hängt immer wieder das Image der „Grauen Maus“ nach. Momentan läuft es aber ganz gut. Die Hauptstadt müsste eigentlich große Möglichkeiten bieten. Warum passt das Verhältnis Klub Hauptstadt nicht?
Bobic: Die finanziellen Möglichkeiten sind beschränkt, weil man in der Vergangenheit viele Schulden angehäuft hat. In einer 4-Millionen-Stadt muss man Erfolg haben, ansonsten lässt das Interesse schnell nach. Der Weg der jetzt beschritten wird, ist eigentlich gut. Man versucht sich zu stabilisieren und hat in dieser Saison einige kleinere Erfolgserlebnisse gefeiert. Man ist aber noch lange nicht da, wo man sein will. Das ist ein langer, steiniger Weg. Man wollte in der Vergangenheit alles erzwingen.
LAOLA1: Die Hertha-Nachwuchsschule wird immer gelobt. In der letzten Zeit haben aber viele Spieler den Verein verlassen. Leute wie Kevin-Prince Boateng scheinen jetzt den Schritt zu bereuen.
Bobic: Ich glaube Kevin-Prince Boateng bereut sein eigenes Leben und wie er sich damals verhalten hat. Die anderen haben sich durchwegs weiterentwickelt. Sei es Salihovic, Madlung, Dejagah oder Andre. Für die war der Schritt nicht falsch, weil sich bei der Hertha damals, nichts getan hat. Aber Kevin-Prince Boateng wollte den Schritt nach England unbedingt. Er hats probiert und nicht geschafft. Auch aus persönlichen Gründen. Jetzt ist er etwas geläutert, will in die Bundesliga zurück und spielen. Ob ihn noch jemand will, ist die andere Frage. Im Endeffekt ist er ein begnadeter Fußballer, aber zum großen Talent gehört auch der Kopf dazu. Ansonsten wird’s schwierig.
Das Interview führte Ramon Ram
