NP-Kolumne von Fredi Bobic (31.10.08)

Hecking muss für Leidenschaft sorgen

Bei Hertha muss man nicht verlieren, schon gar nicht 0:3. Im Klartext: Eine Mannschaft wie Hertha kannst du schlagen. Das aber hat 96 verpasst, weil einfach die letzte Zielstrebigkeit fehlt. Das ist für mich eine Frage der Mentalität. Vielleicht hat es auch mit fehlendem Selbstvertrauen zu tun, weil man nicht weiß, wo man steht.

Aber eigentlich hat 96 genügend Erfahrung – zum Beispiel ein Christian Schulz. Der müsste das mal in die Hand nehmen. Damit schon vor dem Spiel eine Stimmung entsteht, in der man sich sagt: „Heute ist unser Tag, das Spiel gewinnen wir.“ Aber ich habe das Gefühl, dass 96 mit einer ganz anderen Einstellung ins Spiel geht – und zwar dieser: „Wenn was geht, dann geht was – wenn nicht, dann eben nicht.“ Und das geht dann meistens schief.

Ich bin keiner, der fordert, dass die Spieler jetzt Gras fressen müssen. Aber du musst dich mal in einen Gegner reinbeißen, musst mutiger und vor allem entschlossener auftreten. Schon am Sonnabend gegen den HSV. Das ist sicherlich kein Aufbaugegner, die kommen mit breiter Brust. Aber 96 muss auf Sieg spielen. Wenn schon vorher jemand sagt, ein Unentschieden wäre auch nicht schlecht, dann kriege ich einen dicken Hals.

Sorgen mache ich mir noch nicht um 96, die Mannschaft läuft ja nicht herum wie ein Hühnerhaufen. Aber je mehr du unten reinrutschst, desto mehr geht das Spielerische verloren.

Ich möchte mehr Leidenschaft sehen. Und da ist Dieter Hecking als Trainer gefordert. Seine Aufgabe ist es, die Mannschaft aus dem Tal zu führen. Er muss die Spieler in den Griff bekommen und die Neuzugänge so einbauen, dass sie funktionieren. Und ich glaube auch, dass er das hinbekommt.

Über ein Saisonziel muss man bei 96 zurzeit gar nicht philosophieren. Man wollte sich ja gegenüber der letzten Saison verbessern, also mindestens Platz sieben erreichen. Und Hecking hat ja den Fans auch etwas vom UEFA-Cup erzählt. Aber bis Weihnachten kann es erstmal nur darum gehen, da unten ein bisschen weg zu kommen. Das wird schwierig genug.

Die Situation ist gefährlich. Du musst jetzt eine gute Stimmung aufbauen. Das Stimmungsbarometer einer Mannschaft spiegelt sich immer auf der Bank wieder – wenn die Ersatzspieler bei einem Tor mitjubeln, ist alles in Ordnung. Auch dafür ist Hecking mitverantwortlich.

Wie man sich aus einer gefährlichen Situation befreit, hat Frankfurt gezeigt. Die haben mit der Brechstange zwei Siege hintereinander geschafft und sind inzwischen nicht mehr Letzter, sondern stehen in der Tabelle vor 96. Also nachmachen!

 
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